Pattern and Decoration – Ornament als Versprechen

mumok

 

Hinter der Ausstellung „Pattern and Decoration – Ornament als Versprechen“, die letzte Woche im mumok begonnen hat, steckt mehr als die schöne, wilde, bunte und exotische Oberfläche der einzelnen Werke, auch wenn diese außerordentlich anziehend ist: Pattern and Decoration (1975-1985) bezeichnet eine US-amerikanische Kunstbewegung, die sich als Gegenentwurf oder Befreiung zu den Kunstströmungen der 60er Jahre, wie zum Beispiel dem abstrakten Expressionimus, der Minimal Art, bzw. generell der „high art“, die ja vor allem hegemonial weiß und männlich geprägt war, verstanden hat. (Und nicht ohne Zufall verweist der Titel auf Adolf Loos´ Polemik „Ornament und Verbrechen“, der ja bekanntlich auch kein Freund opulenten Mustern war, wenn auch schon, mit 1908, einige Jahrzehnte früher.) Es fand eine Öffnung zu den ornamentalen Traditionen des Ostens sowie auch des Westens statt, eine Suche und Sehnsucht nach einer globalen Perspektive, der Wunsch nach Alternativen zu den erstarrten Theorien in der westlichen Kunst - die so entstandenen Werke waren „aus Überzeugung „promisk““, wie das Heft zur Ausstellung erwähnt, wobei „promisk“ ein Vorwurf des Kunsthistorikers Hal Foster an diese neue Bewegung war.

Miriam Schapiro, eine der Begründerinnen von „Pattern and Decoration“, von der auch ein paar Werke in der Ausstellung vertreten sind, versuchte, eine feministische Agenda in eine visuelle Sprache umzuschreiben, ein marginalisiertes und doch kollektives Vokabular ins Zentrum zu rücken, und somit überhaupt erst einen Legitimationsrahmen für Kunst zu schaffen, in der Techniken, die als weiblich und nicht so hehr angesehen wurden, wie zum Beispiel die Auseinandersetzung mit und Verarbeitung von Textilien, eine große Rolle spielen. Ein Rahmen, der auch heute noch in großen Teilen und erweiterter Form Gültigkeit hat – ein Versprechen also, das sich noch immer einlöst/ einlösen soll/ einlösen muss?

 

Julia Maurer

 

 

 

 

 

 

 

Informationen zum Veranstaltungsort:

 

mumok
Museum moderner Kunst
Stiftung Ludwig Wien

Museumsplatz 1
1070 Wien

 

www.mumok.at

 

 

 

 

Bildlegende:

Header: Detail aus Ausstellungsansicht Pattern and Decoration. Ornament als Versprechen.  mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Miriam Schapiro, Pink Light Fan(1979), Geometry in Flowers(1978) Photo: Stephan Wyckoff© mumok

1: Ausstellungsansicht Pattern and Decoration. Ornament als Versprechen.  mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Miriam Schapiro, Pink Light Fan(1979), Geometry in Flowers(1978) Photo: Stephan Wyckoff© mumok

2: Ausstellungsansicht Pattern and Decoration. Ornament als Versprechen.  mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien.Thomas Lanigan-Schmidt, Iconostasis(1977/78),A Rite of Passage: The Leprechaun (a Mischievous Irish Fairy) and the Puerto Rican Prince(1974–85) Photo: Stephan Wyckoff© mumok

3: Ausstellungsansicht Pattern and Decoration. Ornament als Versprechen. mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Ned Smyth, Portale Fish & Fabric(1979), Philadelphia Colonnade, 1979 Photo: Stephan Wyckoff© mumok

4: Joyce Kozloff Tut’s Wallpaper / Pilaster Pair II (Installationsansicht), 1979, Siebdruck auf Kreide / Keramikfliesen, Mörtel, Sperrholz 265 x 115cm. mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Leihgabe der Österreichischen Ludwig Stiftung Photo: mumok© Joyce Kozloff

5: Brad DavisAll Seasons, 1980 (Installationsansicht) Acryl, Polyester auf Leinwand,

213 cm (Durchmesser). Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen, Leihgabe der Peter und Irene Ludwig Stiftung. Photo: Carl Brunn / Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen© Brad Davis