Vertigo - Dorit Magreiter – Really!

mumok

 

Vertigo // Dorit Magreiter – Really!

 

Im mumok laufen – abgesehen von Pattern & Decoration – noch zwei weitere schöne Ausstellungen: Zum einen zeigt “Vertigo” mit einem Querschnitt durch die OP ART die Vielfältigkeit derselben. Nicht nur, aber auch, sieht man die graphischen Werke in prägnanten Farben, wie “Physichromie Nr. 417” (1968) von Carlos Cruz-Diez, die man in erster Linie mit dieser Kunstrichtung assoziiert. Interessant aber sind Vorläufer oder frühe Werke, die mit Wahrnehmung und dem Gestaltwillen des Gehirns spielen, wie zum Beispiel “Der gotische Bogen” aus der Serie “Carceri d‘invenzione” (1761) von Piranesi. Auf der zweiten Ausstellungsebene wird der Besuch überhaupt zu einer ganzkörperlichen Erfahrung: durch mehrere Werke kann und muss man sich bewegen, um sie richtig wahrnehmen zu können, wie beispielsweise Julio Le Parcs Installation “Lumière en mouvement” (1962/ 1999).

Die zweite Ausstellung ist “Really!” von Dorit Margreiter. Im Nachhinein könnte man als einen durch die Ausstellung laufenden roten Faden die Information, die (in der weitesten Formulierung) Dinge in sich tragen, und ihre Auflösung annehmen. In einem Teil geschieht dies zum Beispiel anhand der Typographie. Bei der verwendeten Schrift in der Arbeit “zentrum” (2006) handelt es sich um Neon-Buchstaben der Fassade des Leipziger Brühlzentrums, auf die Margreiter kurz vor dessen Abbruch aufmerksam wurde. Ihre Ästhetik findet sich im großen Mobile im selben Raum wieder, nur diesmal in abstrahierter und fragmentierter Form. Und ist nicht gerade Typographie das Paradebeispiel für Meta-Information? Im anderen Teil könnte man dieses Sujet quasi auf die Architektur umlegen, wie zum Beispiel in der Dokumentation des “Case Study House #22” (2001), oder auch in “The World May Not Be Deep But It Is Definitely Shallow And Wide” (2004), wo es um das Einkaufs-Erlebnis-Center The Grove nahe Los Angeles geht, oder – in logischer Folge – in  “Broken Sequence” (2013), das den Verfall eines als Disneyland-Version geplanten Projekts in China zeigt. In allen Arbeiten wendet Dorit Margreiter Methoden und Techniken der Abstrahierung und Umordnung an, die diese Informationen lockern und gewissermaßen aufbrechen, und unseren Blick auf sie in Frage stellen und erneuern.

(bis 6.10. (Really!), bzw. bis 26.10. (Vertigo))

Julia Maurer

 

 

Informationen zur Veranstaltung:

 

mumok

Museumsplatz 1

1070 Wien

 

Montag 14:00 - 19:00 Uhr

Dienstag - Sonntag 10:00 - 19:00 Uhr

Donnerstag 10:00 - 21:00 Uhr

 

Website:

 

 www.mumok.at

 

 

Bildlegende:

 

1: Carlos Cruz-Diez
Physichromie Nr. 417, 1968
Öl, Kunststoff auf Holz / Oil, plastic on wood
121 x 122 x 7 cm
mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Leihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung /
On loan from the Austrian Ludwig Foundation, seit / since 1981
Photo: mumok
© Bildrecht Wien, 2019

 

Header, 2: Ausstellungsansicht / Exhibition view
Vertigo. Op Art und eine Geschichte des Schwindels 1520–1970 / Op Art and a History of Deception 1520–1970, mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, 25.5.–26.10.2019
Julio Le Parc, Lumière en mouvement – Installation, 1962/1999, Edition 1/9
Photo: Markus Wörgötter
© mumok/Daros Latinamerica Collection, Zürich/Bildrecht Wien, 2019

 

3: Ausstellungsansicht / Exhibition view
Dorit Margreiter. Really!, mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, 25.5.–6.10.2019
Boulevard, 2019, 16 mm (transferiert auf Video / transferred on video), 4:3, Farbe, ohne Ton / Color, silent,
4 min
Photo: Hannes Böck
© mumok

 

4: Ausstellungsansicht / Exhibition view
Dorit Margreiter. Really!, mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, 25.5.–6.10.2019
Von links nach rechts / from left to right: Silicon Valley (Palo Alto), 2019; boulevard, 2019 (Mobile); Bearing Masonry. Concrete Block (1923), 2014–2019
Photo: Hannes Böck
© mumok