Secession

 

Nora Schultz - „would you say this is the day?“

Fiona Connor - „#8, Closed for Installation, Sequence of Events“

Rosalind Nashashibi - „DEEP REDDER“

 

Bald beginnt der September, und mit ihm geradewegs das Überangebot an Kunstevents, Messen, etc. Einstweilen geht es hier aber noch ein bisschen über die Sommerausstellungen, diesmal um die in der Secession.

Im Hauptraum zeigt Nora Schultz die aus verschiedenen Elementen bestehende Installation „would you say this is the day?“: Die Decke ist an mehreren Stellen gewissermaßen geöffnet, von wo sich in Auflösung befindende Raster aus Draht herab senken. An den Wänden sehen wir drei Mal ein Kalenderblatt – recto, verso, und vergrößert – dessen Raster mit gezeichneten Gesichtern aufgebrochen wird. Die geöffnete Hintertür und der somit erhoffte Luftzug, eine Aufnahme des Klimaanlagensurrens aus dem Atelier der Künstlerin und zwei Videos sind auch Teil der Installation. (Leider bloß herrschte Westwind, es hat also nicht gezogen. Aber das gehört dann eben auch dazu.)

Ein ähnlich subtiles, oder in der Secession nicht sichtbares Element konstituiert einen Teil von Fiona Connors Ausstellung „#8, Closed for Installation, Sequence of Events“: die Versetzung einer Anschlagtafel aus dem Karl-Marx-Hof in eine der Wohnungen, bzw. der Tausch einer Tür aus Los Angeles mit einer aus einem Wiener Gemeindebau. Sichtbar und sehr manifest sind hingegen die aus Bronze gegossenen, zu einem Ausstellungsaufbau benötigten Werkzeuge. Ähnlich vielleicht, wenngleich anders formuliert, wie bei Kate Newby und „I can´t nail the days down“ in der Kunsthalle am Karlsplatz im vergangenen Jahr geht es bei dieser Installation um die Verunklarung der Grenze zwischen handgemacht und Massenfertigung, Appropriation und Ambivalenz.

Ebenfalls aus zwei Hälften besteht Rosalind Nashashibis Ausstellung „DEEP REDDER“ in der Galerie im Untergeschoß. Zum einen zeigt die 2017 für den Turner Prize nominierte Künstlerin einen Film in zwei Teilen, in dem es um die Aufhebung von Linearität in der Gesellschaft geht – den Aufbau eines Gefühls von Gemeinschaft und seine Erschütterung. Der zweite Teil besteht aus zeitgleich mit dem Video entstandenen Malereien, die den Eindruck eines sicheren und sehr persönlichen Rückzugsort vermitteln.

Drei Ausstellungen, könnte man also zusammenfassend sagen, die sich zwischen Ordnung und Auflösung, Manifestation und Erschütterung, sichtbarem und ungesehenem bewegen.

(bis 1 September 2019)

 

Julia Maurer

 

Informationen zum Veranstaltungsort:

Secession

Friedrichstraße 12

1010 Wien

 

Di.-So. / 10:00 - 18:00 Uhr

 

Website:

www.secession.at

 

Bildlegende:

 

1: Nora Schultz, would you say this is the day?, Ausstellungsansicht, Secession 2019, Foto: Iris Ranzinger

2: Rosalind Nashashibi, Untitled (Coin), 2019, Ausstellungsansicht, Secession 2019, Foto: Oliver Ottenschläger, Courtesy of the artist and GRIMM, Amsterdam | New York

3: Rosalind Nashashibi, The moon is nearly at the full. A team horse goes astray., 2019, Ausstellungsansicht Secession 2019, Foto: Oliver Ottenschläger

Header, 4: Fiona Connor, Closed for installation, 2019, #8, Closed for Installation, Sequence of Events, Ausstellungsansicht, Secession 2019, Foto: Oliver Ottenschläger, Courtesy of the artist, 1301PE, Los Angeles und Hopkinson Mossman, Wellington