private viewing 05

Alexandra Reill – never forget how fragile people are

Toni Kleinlercher – takes aus julianischen tagen

Peter Moosgaard – you can store water in the cloud

Abseits des manchmal doch recht lauten Kunstpfades findet sich zur Zeit eine auf den ersten Blick etwas widerspenstige Ausstellung, die dann aber mit ein bisschen Überlegung, die man als KünstlerIn von Publikum ja auch einfordern darf, ihre Wirkung entfaltet.

Die Reihe “private viewing” findet in Toni Kleinlerchers Atelier statt. Jede Ausstellung bildet einen Dialog aus einer seiner Arbeiten, und einer eingeladenen Künstlerin oder eines eingeladenen Künstlers. Wobei man eigentlich von einem Trialog sprechen muss, weil es zusätzlich noch jemanden gibt, der eine Verbindung schafft, wie hier Peter Moosgaard, der mit seinem Text “you can store water in the cloud” eine Kontextualisierung zwischen Toni Kleinlerchers “takes aus julianischen tagen” und Alexandra Reills “never forget how fragile people are” herstellt.

In dieser Arbeit wehrt sich Alexandra Reill sozusagen gegen die Vorherrschaft Googles, indem sie sich ihr eigenes, persönliches Referenzsystem baut, das sich mit einem täglichen Photo, den dazugehörenden Schlagworten und großer Genauigkeit und Geduld weiter und weiter zu einem Netz entwickelt. Der Titel erinnert daran, dass die kalte Abstraktion von Big Data doch tatsächlich Wirklichkeit ist, und wir alle betroffen sind.

Toni Kleinlercher hat in den “takes aus julianischen tagen” über ein Jahr hinweg täglich ein Photo vom Berg Fuji, oder den ihn verhängenden Wolken gemacht, nummeriert nach eben dem julianischen Kalender. An den 39 Tagen, an denen ihm das nicht möglich war, hat er jemand zufälligen, fremden den Berg zeichnen lassen, aus Erinnerung oder Phantasie.

Beides sind also gewissermaßen äußere Spuren einer Arbeit, die sich aus den entstehenden Verbindungen gedanklich entwicklen und auf ihre Urheberin oder ihren Urheber hinweisen. Man braucht ein bisschen für diese verborgene Poetik. Aber es lohnt sich, sich darauf einzulassen.

 

 

 

Julia Maurer

 

 

Informationen zum Veranstaltungsort:

 

Studio Kleinlercher/Kosai

Gebrüder Lang Gasse 14

1150 Wien

 

nur nach Voranmeldung

0660/7388015

tokyo@kuspace.org

Webseite:

http://www.kuspace.org/

 

Bildlegende:

Header, 2,3,4: Toni Kleinlercher, “takes aus julianischen tagen”

1: Alxandra Reill, “never forget how fragile people are”