Kowanz und Dahlem

Brigitte Kowanz

Von neuem anders, anders als es vorher war 

&

Björn Dahlem

Der Wahrheitsraum (Palus Somni) 

Eine Ausstellung, die man sich in ihrer Klarheit und Aufgeräumtheit auf jeden Fall ansehen sollte, ist Brigitte Kowanz “Von neuem anders, anders als es vorher war”. Die meisten der hier ausgestellten Arbeiten thematisieren einen Moment mit großer Strahlkraft: einerseits ist er bloß ein Datum auf einer abstrakten Zeitleiste, andererseits aber strahlt er in die Zukunft und verändert weiterhin unsere Leben, wie beispielsweise die Präsentation des Links zur allerersten Website am 12. März 1991. Brigitte Kowanz übersetzt diese Daten in Bilder, Zeichen und Codes, spiegelt sie teilweise bis ins Unendliche, und lässt sie weiterleuchten. Eine neue Reihe von Arbeiten hingegen lässt sich nur im Hier und Jetzt richtig wahrnehmen, nämlich die reflektierenden Bilder, deren Oberflächenbearbeitungen sich mit den Bewegungen der BetrachterInnen in Spektralfarben brechen, wobei changierende, geometrische Formen sichtbar werden.

In der zweiten Hälfte der Galerie befindet sich Björn Dahlems Ausstellung “Der Wahrheitsraum (Palus Somni)”. Palus Somni – das wusste ich bis dato auch nicht – bedeutet “Sumpf des Schlafs” und bezeichnet eine Ebene aus erstarrter Lava am Mond, nahe der Stelle, von wo die Raumsonde Ranger 8 1965 die ersten Aufnahmen schickte. In seinen Arbeiten verfolgt Dahlem die Idee, bzw. das Paradox, dass ein Zuwachs von Wissen oftmals eher Unwissen und Unklarheit vermehrt. In seiner raumgreifenden Installation “Wahrheitsraum” und einer Gruppierung einzelner Arbeiten, die Titel wie beispielsweise “Flat Earth Theory (Deep Impact)” oder “Saturn and Beyond” tragen, erkundet er, wie sich wissenschaftliche Weltbilder abseits standardisierter Darstellungen anschaulich machen lassen - stets als Annäherung gedacht, und präzise unperfekt.

So unterschiedlich und räumlich getrennt diese beiden Ausstellungen auch sind, könnte man fast sagen, dass sie sich gegenseitig auf eine gewissen Art und Weise aufgreifen. Möchte man lieber jede für sich betrachten, sind sie aber ebenso gut.

 

 

 

Julia Maurer

 

 

 

Informationen zum Veranstaltung:

Galerie Krinzinger

Seilerstätte 16

1010 Wien

 

 

 

Webseite:

www.galerie-krinzinger.at

 

 

 

Bildlegenden:

Brigitte Kowanz, “Von neuem anders, anders als es vorher war”, Galerie Krinzinger, Wien 2020

1: “1234567890”, 2012/2020, Neon, Aluminium, Lack, Dimension variabel

2: Ausstellungsansicht, im Vordergrund “A Sight to Behold”, 2017, Neon, Spiegel, 80 x 80 x 25cm

3: Ausstellungsansicht, links: “World Wide Web 12.03.1989 06.08.1991”, 2017, Neon, Aluminium, Lack, 150 x 70 x 15cm; rechts: “Email 02.08.1984 03.08.1984”, 2017, Aluminium, Lack, Kabel, iPad, Dimension variabel

4: “Je suis Charlie 07.01.2015”, 2017, Neon, Aluminium, Spiegel, 170 x 140 x 20cm

5: Ausstellungsansicht

6: “Focus”, 2013, Neon, Spiegel, 40 x 90 x 90cm

7: Ausstellungsansicht

8: von links: “h”, “j”, “g”, “m”, “a”, alle 160 x 50cm, “i”, ø 90cm, alle 2020, retroreflektierende Oberfläche, Aluminium

Björn Dahlem, “Der Wahrheitsraum (Palus Somni)”

9, Header: Installationsansicht

10: Installationsansicht

11: Ausstellungsansicht