Galerie Krinzinger


Martha Jungwirth
Gavin Turk: God Is Gone

Die erste Hälfte des Galerie-Krinzinger-Stockwerks ist mit Gavin Turks „God Is Gone“ bespielt. Der britische Künstler setzt sich in seinen neuesten Arbeiten mit der in Zeiten von Fake News sehr aktuellen Infragestellung von Wahrheit und Bedeutung auseinander; er thematisiert den Wunsch und die Suche nach dem Kern der Dinge und die damit verbundenen Schwierigkeiten.
Seinen Objekten und Bildern gibt der 1967 geborene dabei aber einen antik-archaisch wirkenden Anstrich: heutige Mythomanie verbunden mit klassisch-römischer Bulimie bei Festgelagen, könnte man sagen. So sind die verspiegelten Glaskuben sehr ästhetisch und schön, beinhalten aber nur die Abfälle unserer Gesellschaft. Oder das Beispiel „Waterfall Painting“: Hier hat der Künstler akribisch den Code abgeschrieben, den ein Computer bei der Abbildung von Duchamps ikonenhaftem „Forestay Waterfall“ generiert - mitsamt einem Druckfehler.

Ganz anders die zweite Etagenhälfte: Parallel zu Martha Jungwirths Personale in der Albertina zeigt die Galerie Krinzinger Aquarelle und Ölbilder der in Wien geborenen Künstlerin. Ihre Bilder sind Wanderungen zwischen Konzentration und Entspannung, fluide Seismogramme, die oft von Orten oder Landschaften inspiriert worden sind. In einem Ö1-Spezial vom 18.3. sagt Martha Jungwirth selbst, dass ihr das „Neben-die-Schuach-Malen“ wichtig ist; der non-chalante und offene Charakter, der ihre Bilder von denen anderer abstrakt malender KünstlerInnen unterscheidet.
Bei den gezeigten Arbeiten gelingt dies (außer durch die Malweise selbst) dadurch, dass das Papier, auf dem sie gemalt hat, liniertes oder kariertes Schreibpapier ist, oder - bei den Bildern der neuen, großformatigen Istanbul-Serie – dass das bruchstückhafte Papier bemalt und dann erst auf eine rechteckige Leinwand aufkaschiert worden ist.
Heuer wurde Martha Jungwirth mit dem Kokoschka-Preis ausgezeichnet. Eine Ehre, übrigens, die bisher noch nicht vielen Künstlerinnen zuteil geworden ist.

 

 

Julia Maurer





Informationen zum Veranstaltungsort:

Galerie Krinzinger
Seilerstätte 16
1010 Wien





Bildlegende:
Header: Martha Jungwirth, alle ohne Titel, 1987, Aquarell auf Papier, 29,5 x 41,5cm.
1: Ausstellungsansicht Gavin Turk, vorne links: Looking Glass, 2015, Glas und Mischtechnik, 200 x 170 x 170cm
2: Gavin Turk, Ausschnitt aus „Waterfall Drawing“, 2018, Bleistift auf Papier, 178, 2 x 126cm
3, 4, 5: Ausstellungsansicht Gavin Turk
6: Gavin Turk, To Perceive something without using the known senses, 2018, gefaltete Spielkarten mit „telesthesia“ auf der Rückseite geschrieben, 38,5 x 29,8 x 3,8cm
7: Gavin Turk, Instruction Serie, v.l.n.r. Make a Wish, Yout Nose, Wet Lips, The Point; alle 2018; Filzstift, recycletes Papier, 23 x 34cm
8: Gavin Turk, Iteration Serie, links: Das ist es nicht, 2018, Öl auf Leinwand, 75 x 95 x 2,5cm; rechts: This is it, 2018, Öl auf Leinwand, 75 x 95 x 2,5cm; im Hintergrund: Tout Fait (Teleporter), 2018, Chromstahl, 203 x 141 x 120cm
9, 10, 11: Ausstellungsansicht Martha Jungwirth
12: Martha Jungwirth, ohne Titel, 2016, Öl auf Papier auf Leinwand, 116 x 227,5cm
13: Martha Jungwirth: links: ohne Titel, 1987, Aquarell auf Papier, 29,5 x 41,5cm; rechts: ohne Titel (aus der Serie „Istanbul“), 2017, Öl auf Papier auf Leinwand, 163 x 272cm