Weltmuseum Wien

Mein letzter Besuch im alten Völkerkundemuseum ist zugegebenermaßen schon recht lange her. Ich habe mich von der schieren Menge an Ausstellungsstücken eigentlich nur frontal überrollt gefühlt. Und noch immer könnte man mit den Sammlungen des neuen Weltmuseums zumindest drei kleinere Museen problemlos bestücken; allerdings gewährt es einen viel offeneren und engagierenderen Zugang als sein Vorgänger. So wurden beispielsweise – natürlich neben der kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte des Museums und seinen Beständen - Themenschwerpunkte gesetzt, es gibt interaktive Stationen, und den generellen Versuch, Verbindungen in die Gegenwart sichtbar zu machen, und Fragen der kulturellen Identität neu zu stellen.

Auch neu ist die Einladung an zeitgenössische KünstlerInnen, sich mit Aspekten der ethnographischen Sammlungen auseinanderzusetzen. In diesem Rahmen findet auch Rajkamal Kahlons Ausstellung „Staying With Trouble“ (noch bis 30.9.2018) statt. Für die gezeigten Arbeiten hat die US-amerikanische Künstlerin insbesondere historische Photographien der Museumssammlung, die auf hegemonialen Vorstellungen von „Primitiven“ und „Wilden“ basieren, verwendet und übermalt.
Auf diese Weise wird noch einmal betont, wie demütigend und respektlos diese Bilder eigentlich sind; jedoch lässt Rajkamal Kahlon ihnen durch die Überarbeitung mitunter augenzwinkernd eine Art Rehabilitierung zugutekommen, als gebe sie den Abgebildeten eine Identität zurück.

 

Julia Maurer

 

 

 

Informationen zum Veranstaltungsort:

Weltmuseum Wien
Heldenplatz
1010 Wien

 




Bildlegende:
1: Einblick Saal "Sammlerwahn. Ich leide an Museomanie!" © KHM-Museumsverband
2: Sonderausstellungsansicht Rajkamal Kahlon Staying with Trouble  Copyright: KHM-Museumsverband
3: Einblick Saal "Benin und Äthiopien. Kunst, Macht, Widerstand" Copyright: KHM-Museumsverband
4: Einblick Saal "Im Schatten des Kolonialismus" Copyright: KHM-Museumsverband
5: Einblick Saal "Südsee: Begegnungen mit dem verlorenen Paradies"  © KHM-Museumsverband