Victor Hugo

Der schwarze Romantiker

 

Das Leopold Museum widmet dem bisher wenig bekannten graphischen Werk Victor Hugos eine kleine aber sehr feine Ausstellung.
Wie in seinen Romanen bleibt der Schriftsteller auch in seinen Zeichnungen romantisch, und teilweise sogar schauerlich. Manche könnten Illustrationen zu seinen Texten sein, andere dienten ihm vielleicht beim Schreiben als Inspiration oder Anhaltspunkt, wieder andere zu Unterhaltung und Auflockerung.

Die meisten wirken beiläufig und nebenbei, und sind auch mit seinen Hauptwerkzeugen fürs Schreiben, Tusche und Feder, entstanden. In anderen beweist Hugo große Experimentierfreudigkeit: es findet Kaffee seinen Einsatz als Malmittel, manchmal verwendet er Schablonen, es gibt Abklatsche und -drucke, und manche Zeichnungen beinhalten collagenartige Elemente. Generell wirken sie für ihre Entstehungszeit außergewöhnlich modern (viele der Zeichnungen sind vollkommen abstrakt) und auf spätere Kunstströmungen vorgreifend. Diese große Freiheit erklärt sich wohl dadurch, dass Hugo seine Zeichnungen zu Lebzeiten nie veröffentlicht hat -  sie waren Geschenke für Freunde, Bitten, ihn in seinem Exil auf den Kanalinseln nicht zu vergessen, und eben einfach für ihn selbst.

Die zurückhaltende Rahmung und ruhige Hängung lassen die Bilder von wirklich geringen Formaten wie Kleinode erscheinen. Begleitend erscheint ein detaillierter Katalog, der – neben dem Vergleich zu einem Aquarell von Turner in der Ausstellung – noch weitere Parallelen zu den Zeichnungen von Goya und Odilon Redon zieht.

 

Julia Maurer

 

 

 

Informaton zum Veranstaltungsort:

Leopold Museum
Museumsplatz 1
1070 Wien

 

 

 

Bildlegende:

Header: Ausschnitt aus KOMPOSITION, um 1856, Braune Tinte, Gouache auf Papier, 17,1 x 24 cm, Photo: Bibliothèque nationale de France, Paris
1: „SPITZEN UND GESPENSTER“, 1855/56, Kohle, braune Tinte auf Papier, 5,8 x 6,7 cm, Privatsammlung, Photo: Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien, René Steyer
2: DIE ERSCHAFFUNG DER WELT, 1864 – 18 69, Kohle, schwarze und grüne Tinte auf Papier, 6 x 14 cm, Sammlung Klüser, München, Photo: Sammlung Klüser/Mario Gastinger, München
3: RUINEN EINES AQUÄDUKTES, um 1850, Sepia, Tusche, Grafitstift, Fettstift auf Papier, 24,9 x 32,9 cm, Maisons de Victor Hugo, Paris/Guernesey, Photo: Maisons de Victor Hugo/Roger-Viollet
4: AUSSTELLUNGSANISCHT VICTOR HUGO, 2017, Leopold Museum Wien, Photo: Lisa Rastl