Unfolded Matters - Nature as Culture, Culture as Nature

Der Klimawandel wird den meisten Leuten ja leider nur wirklich gegenwärtig, wenn gerade besonders unübliche Hitzewellen auftreten, und zur gleichen Zeit ein mutiges und/oder verzweifeltes, junges Mädchen von sich reden macht. Vor diesem Hintergrund, und mit nicht mehr der Fragestellung sondern der Aufforderung „Was tun!“ und ihrer gleichzeitigen Obsoleszenz findet derzeit bei Georg Kargl Fine Arts eine Gruppenausstellung statt, die das Thema der Trennung der angenommenen Sphären der Natur und der Kultur, das im westlichen Denken vorherrscht, behandelt. Oder zumindest im weitesten Sinne Elemente der Natur aufgreift, um sie in Kunst einzubetten, denn die Natur als großes, uneinschätzbares Gegenüber, Durchdringendes und Umgebendes fehlt ein bisschen, obwohl die Ausstellung insgesamt wirklich sehr gelungen ist.

Schön, aber nicht lieblich, ist gleich zu Beginn Oliva Coelns Serie „I Feel You“, in der bei einigen Blättern aufgenähte Fischschuppen zum Einsatz kommen. Jitka Hanzlovás düstere, dokumentarische Photographien von Pflanzen(teilen) und einer Spinne bringen die Unheimlichkeit, die Menschen oft angesichts der Erhabenheit der Natur spüren, wohl am besten zum Ausdruck - ähnlich wie Mark Dion ihre Zähmung zu Topfpflanzen in Kinderwägen und Laufställen grotesk übersteigert und uns vor Augen führt.

Ein wichtiges Thema, eine schöne Ausstellung – so ganz lässt sich die Falte zwischen Mensch und Nicht-Mensch, die der Text zur Ausstellung erwähnt, jedoch nicht glätten. Vielleicht wäre das aber auch ein Ding der Unmöglichkeit.

 

 

 

Julia Maurer

 

 

 

Informationen zum Veranstaltungsort:

Georg Kargl Fine Arts

Schleifmühlgasse 5

1040 Wien

 

 

Mi. -Fr.:  13:00 -19:00 Uhr

Sa.: 11:00 -16:00 Uhr

 

 

Webseite:

www.georgkargl.com

 

 

Bildlegende:

Header, 1: Olivia Coeln, aus der Serie „I Feel You“

2: Olivia Coeln, links: „I Feel You (VII)“, 2018, fish scales on paper in wooden frame, 32 x 22cm; rechts: „I Feel You (IV)“, 2019, barite print, fish scales hand-sewn, 27 x 20cm

3: Jitka Hanzlová, links: „untitled/ Hydrangea“, 2009, archival pigment colour print, 18 x 26cm; Mitte: „untitled/ Spiderbloom“, 2011, archival pigment colour print, 18 x 23cm; rechts: „untitled/ Physalis alkekengi“, 2009, archival pigment colour print, 18 x 23,8cm

4: Jennifer Gelardo, hängend: „suspension“, 2019, Soundpanels and swarms, hung in a grid, styrofoam, nylon thread, steel rope, hair spray, dried leaf of a Philodendron, 39 x 28 x 25; rechts: „Zeichnung 2007“, 2007, Black ink, cardboard, wood, glass, 25,7 x 19,7cm

5: links: Agnieszka Polska, „Your Instestines“, 2019, print on textile, 336 x 130cm; Mitte: Mark Dion, „Nursery“, 2007, Baby´s high chair, 1 plant, 50 x 50 x 170cm; rechts: Sanna Kannisto, „On Forest floor“, 2006, c-print, 74 x 95cm

6: links: Agnieszka Polska, „Earth“, 2017, ink print on archival paper, mounted on dibond, 70 x 70cm; rechts: Mark Dion, „Nursery“, 2007, Playpen, 4 plants, 125 x 125 x 145cm

7: links: David Maljkovic, „Untitled“, 2012, palm tree, painted plywood plinth, 195 x 180 x 180cm; Mitte: Mark Dion, „Nursery“, 2007, Perambulator, 4 plants, 120 x 53 x 150cm; rechts: Jennifer Gelardo, „Neuer Vorhang“, 2019, Curtain rod made of aluminium, steel, rope, rice paper, silver ink, 180 x 150cm

8: links: Marcel van Eeden, „Untitled“, 2001, Koo-I-Noor on hand-made paper, 19 x 28,4cm; rechts: Hannes Zebedin, „Partizanski Dnevnik“ // „Novice iz Gozda“, on newsstand, hazelnut wood