SOS Brutalismus

Rettet die Betonmonster!

Als Teenager hatte ich ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Toujours sous pression, mais résistant – c´est du béton“. Beton ist geduldig, interessant, und ja, wie ich finde, auch schön, zumindest kann er schön sein. Das Architekturzentrum Wien widmet nun den zwischen 1953 und 1979 weltweit entstandenen brutalistischen Bauten eine Ausstellung, mitsamt dem Aufruf, sie zu erhalten. Denn schon früh durchaus zwiespältig gesehen, werden sie heute oft abgerissen, gesprengt oder „verhübscht“. Dabei steckt hinter dem Konzept von Brutalismus (von franz. „brut“ - „herb“, und nicht so sehr von „brutal“) mehr als nur ein Stil: Es spielen Ideen um Erneuerungen nach den beiden Weltkriegen eine tragende Rolle in dieser damals neuen Ästhetik, die auf uns heute retro und futuristisch zugleich wirkt - nicht nur im architektonischen Sinne, sondern auch politisch und soziokulturell.

Die Ausstellung, die zuerst im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt zu sehen war, zeigt einen schönen photographischen Überblick der über die ganze Welt verteilten Betonbauten, ergänzt durch große Kartonmodelle und kleinere aus Beton selbst. Für Wien wurde sie noch um zehn österreichische Highlights erweitert, das bekannteste von ihnen wohl die Wotrubakirche in Mauer.

Die zur Ausstellung Anstoß gebende Online-Initiative findet man unter SOSBrutalism.org.

Julia Maurer

 

 

Informationen zum Veranstaltungsort:

Architekturzentrum Wien

Museumsplatz 1

1070 Wien

https://www.azw.at/de/termin/sos-brutalismus/

 

Bildlegende:

Header: Ausschnitt aus Fritz G. Mayer, Fritz Wotruba, Kirche zur Hl. Dreifaltigkeit, Außenansicht, Wien 23, 1974–1976, Bild: Architekturzentrum Wien, Sammlung, Margherita Spiluttini

1: O. Gurevich / V. Zhukov, Hotel Rus, Sankt Petersburg, Russland, 1980–1988, Bild: Konstantin Antipin 2016

2: Rinaldo Oliveri, La Pyramide, Bild: Rinaldo Olivieri, La Pyramide, Abidjan, Elfenbeinküste, 1968–1973

3: Werkgruppe Graz, Terrassenhaussiedlung St. Peter, Fest in der Siedlung, Graz, Steiermark, 1972–1978, Bild: Architekturzentrum Wien, Sammlung

4: Norbert Heltschl, Internat Mariannhill, Wasserbecken auf der Dachterrasse, Landeck, Tirol, 1964

Bild: Architekturzentrum Wien, Sammlung, Friedrich Achleitner