Rupertinum

Anna Boghiguian

Anna Boghiguian wurde 1946 als Tochter armenischer Einwanderer in Kairo geboren, wo sie zunächst Politik- und Wirtschaftswissenschaft studiert hat, um dann, in Montreal, Kunst und Musik zu studieren. Dieser sehr kleine Ausschnitt aus ihrer Biographie kann vielleicht auch als Analogon zu ihrer  intensiven und auf eine Art vielsprachige Kunst dienen. Sie ist nämlich gar nicht leicht zu beschreiben, so untrennbar ist sie mit Anna Boghiguian verwoben, so viel können sich aber auch die Besucher daraus „holen“. Die Ausstellung im Rupertinum, die erste übrigens, die der Künstlerin im deutschsprachigen Raum gewidmet ist, lässt sich grob in einzelne Projekte, Künstlerbücher, und einen Raum im zweiten Stock, in dem die Künstlerin persönliche Möbel und Gegenstände, Werkzeuge und Objekte aus ihrem Kairoer Atelier in einer Installation angeordnet hat, die sie gewissermaßen auch persönlich ein bisschen präsent sein lässt, unterteilen.

In den Projekten setzt sich Anna Boghiguian oft mit dem, was sie auf ihren Reisen erlebt hat, der Geschichte der bereisten Orte, oder auch Schriftstellern wie beispielsweise dem indischen Nobelpreisträger Rabindranath Tagore auseinander. Dies geschieht auf eine zutiefst freie und assoziative Art, in verschiedenen Medien, und beinhaltet oft den Aufruf zu oder die Sehnsucht nach einem besseren Miteinander, oder Kritik an der aggressiven Form der Globalisierung, ohne allerdings ins pathetische abzurutschen.

Eigens für die Salzburger Ausstellung hat die Künstlerin ein Segel für das Atrium geschaffen; und vielleicht können sich Besucher der etwas mehr abseits gelegenen Orte der Biennale in Venedig 2015 erinnern, ein paar der Vogelplastiken, Symbole der Freiheit und (Selbst-)Genügsamkeit, schon im Kloster auf San Lazzaro degli Armeni gesehen zu haben.

 

Julia Maurer

 

 

 

Informationen zum Veranstaltungsort:

 

Rupertinum
Wiener-Philharmoniker-Gasse 9

5020 Salzburg

 

museumdermoderne.at

 

 

Bildlegende:

Header: Anna Boghiguian bei der Biennale in Venedig 2015

1: Trade + Birds, 2018, (Handel + Vögel), Detail, Segeltuch, bemalt, Sammlung der Künstlerin

2: Installationsansicht Anna Boghiguian, Museum der Moderne, Salzburg 2018

3: Untitled (Tagore’s Post Office), 2013, [Ohne Titel (Tagores Postamt)], Detail, 28 Fotografien und Farbe auf Karton , Sammlung Museum der Moderne Salzburg; Peasant Art, 2018, (Kleinbäuerliche Kunst), 2 Objekte, verschiedene, Materialien, Sammlung der Künstlerin

4: The Salt Traders, 2015, (Die Salzhändler), Detail, Installation, verschiedene Materialien, Castello di Rivoli Museo d’Arte Contemporanea, Leihgabe der Fondazione per l’Arte Moderna e Contemporanea CRT

5: Anna Boghiguian, Un toute petite histoire de Nîmes, 2016 (Eine winzig kleine Geschichte von Nîmes), Ausstellungsansicht Castello di Rivoli Museo d’Arte Contemporanea, Rivoli-Turin, 2017, Courtesy die Künstlerin, Foto: Renato Ghiazza

6: Anna Boghiguian, Tagore’s Post Office (Mobile), 2013 [Tagores Postamt (Mobile)], Ausstellungsansicht Castello di Rivoli Museo d’Arte Contemporanea, Rivoli-Turin, 2017, Sammlung Museum der Moderne Salzburg, Foto: Renato Ghiazza