Musée Jean Cocteau

Bei Jean Cocteau (1889-1963) denkt man im Allgemeinen zuerst an „Les enfants terribles“, seine Zeichnungen, und vielleicht auch an den einen oder anderen Film. Wieviel mehr er allerdings geschaffen hat, und wie viele andere Leute er inspiriert hat, macht ein Besuch im Musée Jean Cocteau/ Collection Sévérin Wunderman in Menton an der französischen Riviera zumindest ansatzweise klar: Während das Erdgeschoß des Museums zumeist Künstlern gewidmet ist, die auf die eine oder andere Art in Verbindung zu ihm stehen, wie derzeit Valerio Adami, gewährt das Untergeschoß in wechselnden Ausstellungen Einblick in das wilde und freie Universum, das ausufernde Werk des Malers/Zeichners/Regisseurs/Lyrikers/Bühnenbildners/... Es entsteht schnell der Eindruck, dass Cocteau sich jeglichen Restriktionen entzogen hat. Manche der Zeichnungen sind so eigenartig (man könnte fast sagen „daneben“), dass es fast schmerzt, sie anzusehen. Und doch, sie haben „etwas“, es ist schwierig zu benennen – Charme, Pathos, Humor, Ernst, die Mischung, oder eben diese Freiheit? Es macht jedenfalls Freude durch dieses ausgesuchte Sammelsurium zu wandern, und ein Weilchen dem Film zuzuschauen, in dem Cocteau selbst seine Wandmalereien im Haus einer Freundin erklärt.

Das Museumsgebäude an sich ist aber ebenfalls erwähnenswert: Sein Architekt ist Rudy Ricciotti, der auch schon das MuCEM in Marseille entworfen hat, und dem es vielleicht ein bisschen ähnelt.

Sollte man also in der Nähe sein, muss man keinen Regentag abwarten, um einen Besuch zu rechtfertigen.

 

Julia Maurer

 

 

 

Informationen zum Veranstaltungsort:

musée Jean Cocteau/ collection Sévérin Wunderman
2 quai de Monléon

06500 Menton

https://www.museecocteaumenton.fr/-Le-musee-.html

 

Bildlegende:

Header, 1: Jean Cocteau et Raymond Moretti: Toréador et Picador à cheval, 1963 sérigraphie sur papier vélin ©Adagp/Comité Cocteau, Paris 2018

2: Jean Cocteau: Madame Favini et sa fille, 1953, huile sur toile ©Adagp/Comité Cocteau, Paris

3: Jean Cocteau: Faune, 1961 pastel sur papier ©Adagp/Comité Cocteau, Paris 2018

4:  Valerio Adami : Jacques Derrida, 2004, Acrylique sur toile © ADAGP, Paris 2018

5: Le musée Jean Cocteau collection Séverin Wunderman © Roland Halbe