Il cielo è grande spazio

Marisa Merz

Es ist immer wieder erstaunlich, wie lange es oft dauert, bis Anerkennung und Wertschätzung für Kunst von Frauen weitere Kreise zieht. (Bei männlichen Künstlern geschieht dies natürlich auch, aber doch um einiges seltener.) Marisa Merz, geboren 1926 in Turin und mittlerweile eben 92 Jahre alt, hat heuer ihre erste größere Ausstellung in Österreich, obwohl ihr mit dem Goldenen Löwen der Biennale in Venedig 2013, und einer Retrospektive im New Yorker Metropolitan Museum schon größere Ehre zuteil wurde. Trotzdem, auch diese beiden Ereignisse liegen noch nicht unbedingt lange zurück.

Nun ja. Jedenfalls zeigt nun das Museum der Moderne in Salzburg einen Querschnitt durch die Jahrzehnte des Schaffens der einzigen weiblichen Vertreterin der arte povera. Marisa Merz vermeidet es, ihre Werke zu datieren - sie sieht sie auch nicht als abgeschlossenen, sondern vielmehr als transformierend, sich verändernd je nach Kontext und Arrangement. Den Kern ihrer Tätigkeit, wenn man so will, bildet die Einheit von Kunst und Leben, als Frau, Künstlerin und Mutter. So finden auch alltägliche Materialien den Weg in ihr Schaffen: Alu und Wachs, verstrickter Kupferdraht, gestrickte Schuhe aus Nylonfaden. Ihre Werke sind zart und zerbrechlich, und hart und erdig zugleich; eine Vielzahl von gezeichneten Gesichtern und Köpfen aus ungebranntem Ton bevölkern die Räume. (Diejenigen von ihnen, die mit Wachs überzogen sind, und in die nur klein Augen und Mündchen hineingeschnitten wurden, sind übrigens meine Favoriten in der Ausstellung.)

Ergänzt wird „Il cielo è grande spazio“ durch an die Wände geschriebene, an Haikus erinnernde, oft mystische Gedichte der Künstlerin, aus denen auch der Ausstellungstitel stammt.

Julia Maurer

 

Informationen zum Veranstaltungsort:

Museum der Moderne Salzburg
Mönchsberg 32
5020 Salzburg

https://www.museumdermoderne.at/de/ausstellungen-veranstaltungen/detail/marisa-merz-il-cielo-e-grande-spazio-der-himmel-ist-ein-weiter-raum/

 

Bildlegende:

Header: Ausschnitt Ausstellungsansicht: Marisa Merz. Il cielo è grande spazio / Der Himmel ist ein weiter Raum

© Museum der Moderne Salzburg, Foto: Rainer Iglar

1: Marisa Merz, Living Sculpture (Lebende Skulptur), 1966, Aluminium, Tate: erworben durch Mittel eines anonymen Spenders 2009, Foto: © Tate, London, 2017

2: Marisa Merz, Ohne Titel, 1968. Nylonfaden, Eisennägel, Die Künstlerin und Fondazione Merz, Turin, Foto: Renato Ghiazza, Courtesy Archivio Merz, Turin

3: Marisa Merz, Ohne Titel, o. D., Ungebrannter Ton, Blattgold, Farbe, Eisenstativ. Sammlung Anish Kapoor, Foto: David Regen, Courtesy Gladstone Gallery, New York und Brüssel

4: Marisa Merz, Ohne Titel, o. D. Mischtechnik mit Klebeband auf Metall, Spiegel,

Die Künstlerin und Fondazione Merz, Turin, Foto: Agostino Osio, Courtesy Galleria Christian Stein, Mailand

5: Ausstellungsansicht: Marisa Merz. Il cielo è grande spazio / Der Himmel ist ein weiter Raum

© Museum der Moderne Salzburg, Foto: Rainer Iglar

6: Ausstellungsansicht: Marisa Merz. Il cielo è grande spazio / Der Himmel ist ein weiter Raum

© Museum der Moderne Salzburg, Foto: Rainer Iglar

7:  Ausstellungsansicht: Marisa Merz. Il cielo è grande spazio / Der Himmel ist ein weiter Raum

© Museum der Moderne Salzburg, Foto: Rainer Iglar