Leopold Museum

Es ist Sommer, die Kunstwelt läuft grad nur so auf Halbmast. Und so, wie viele Leute heuer beispielsweise Hallstatt besuchen, habe ich mir gedacht, ich nütze die relative Touristenlosigkeit und gehe ins Leopold-Museum. (Außerdem hatte ich Sehnsucht nach Malerei in kühlem Museumsambiente.) Wenn man aus Wien ist, hat man - höchstwahrscheinlich, vielleicht - ein eher zwiespältiges Verhältnis zum Dreigestirn Klimt-Schiele-Kokoschka. Dennoch schadet es nicht, sich ihre Bilder hin und wieder anzuschauen, denn – man muss es schon sagen – sie sind wirklich gut! Die gewissermaßen als Dauerausstellung laufende Sammlungspräsentation “Wien 1900 – Aufbruch in die Moderne” bemüht sich aber auch, Arbeiten weniger bekannter Zeitgenössinnen (Broncia Koller-Pinell!) und -genossen zu zeigen, Verknüpfungen herzustellen, und, ganz generell, mit Beispielen aus Mode und Architektur, den Geist der Zeit herbeizurufen.

Der eigentliche Grund für meinen Besuch war aber die bis Ende August verlängerte Ausstellung “Deutscher Expressionismus – die Sammlungen Braglia und Johennig”, und die Hoffnung auf ein paar Holzschnitte von Ernst Ludwig Kirchner. Die gab es zwar nicht, dafür aber überraschend humorvolle Bilder von Paul Klee und auch einige schöne Arbeiten von Paula Modersohn-Becker.

Die dritte Ausstellung “Imagine Tomorrow” ist eine Gegenüberstellung von Egon Schiele und Friedensreich Hundertwasser. Ehrlich gesagt habe ich nicht viel erwartet. Hundertwasser – das Verhältnis wird immer zwiespältiger (wobei es hier natürlich nur und wie stets um meinen persönlichen Geschmack geht!). Es war dann aber doch interessant, eine Entwicklung und ein breiteres Spektrum seiner Arbeiten zu sehen, fernab von Spittelau und Mineralwasserflaschenetiketten.

Alle in Wien verbliebenen können also ganz problemlos und in aller Ruhe einen Nachmittag damit verbringen, einige Kunstschätze der Stadt ohne Geschiebe und Gedränge zu erkunden.

 

 

 

Julia Maurer

 

 

 

Informationen zum Veranstaltung:

Leopold Museum

Museumsplatz 1

1070 Wien

 

 

 

Webseite:

www.leopoldmuseum.org

 

 

 

 

Bildlegenden:

Header, 1: Rudolf Jobst, “Die Schwestern Elsa, Grete und Berta Wiesenthal im „Lanner/Schubert“ Walzer”, 1908. Foto: Austrian Archives/Imagno/picturedesk.com

2: Gustav Klimt, “Litzlbergkeller”, 1915/16, Öl auf Leinwand, 110 × 110 cm, Privatsammlung. Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger

3: Wally Wieselthier, “Bacchantin”, 1919, Keramik, 32 × 22,5 × 19 cm. Leopold PrivatsammlungFoto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger

4: Paul Klee, “Kl. Parklandschaft”, 1914, Aquarell auf Papier auf Karton, 8,8 × 8,8 cm. Fondazione Gabriele e Anna Braglia, Lugano. Foto: Christoph Münstermann

5: Paule Modersohn-Becker, “Elsbeth mit Glaskugel im Garten”, um 1902, Öl auf Leinwand, 37,3 × 37,8 cm. Renate und Friedrich Johenning Stiftung. Foto: Linda Inconi-Jansen