Leopold Bloom Award


Einigermaßen gut versteckt im obersten Stockwerk des Budapester Bálna (Walfisch) befinden sich die Räume der New Budapest Gallery, in denen noch bis 14. 11. Werke der acht Finalisten für den diesjährigen Leopold Bloom Award gezeigt werden.
Der Preis, benannt nach der Hauptfigur in James Joyces „Ulysses“, soll ungarische KünstlerInnen unterstützen und ihnen sowohl national als auch international zu mehr Präsenz verhelfen.
Gleich zu Beginn sieht man die Photoserie „Postwork“ von Anna Fabricius, an die der Award schlussendlich auch gegangen ist. In den Bildern sieht man ArbeiterInnen verschiedener Berufe, die in den klassischen Posen des Adels abgelichtet wurden.

Im nächsten Raum sieht man die druckgraphischen und installativen Ergebnisse von Mark Fridvalszkis Auseinandersetzung mit Bauxitabbau und seinen verbleibenden Spuren. Weiter geht es mit einem Animationsfilm aus Aquarellen von Eszter Szabó, in denen die „zornigen, unsichtbaren Leute“ beginnen, sich zu widersetzen und zu wehren. Der erste Teil endet mit Andi Schmieds Installation „Noguchi Town“, einer fiktiven, disfunktionalen Stadt in Japan, und dem sehr schwarzem, recht frei assozierendem Environment des Künstler-Duos  Lörinc Borsos.

Der zweite Teil beginnt mit Hajnal Neméths Arbeit, die durch kleine Änderungen erfolgreiche Songs in politische Statements verwandelt. Stellvertretend für Ferenc Grófs vielschichtiges und spielerisches Werk, picke ich hier „State of Shades“ heraus: Er hat die farblichen Mittelwerte der Gemälde der ungarischen Nationalgalerie ausgerechnet, und daraus wieder den Mittelwert erstellt, mit dem Ergebnis, dass die „ungarische Malerei“ grünlich-grau ist. Die achte Position ist die einzige rein-malerische der Ausstellung. Ákos Ezer zeigt in seinen Bildern Menschen in fast humorvollem Kampf mit ihrer Umgebung, und ihrem Scheitern daran. Sein Stil erinnert ein bisschen an Dana Schultz.

Sehr unterschiedliche Themen und Ansätze also, die aber durch die konzentrierte Präsentation trotzdem nicht verschwimmen und beliebig wirken, sondern einen komplexen Einblick in die ungarische Kunstszene ermöglichen.

 

Julia Maurer

 

 

Informationen zum Veranstaltungsort:

New Budapest Gallery
Bálna
Fövám tér 11—12
1093 Budapest

 

www.leopoldbloomaward.com

 

 

Bildlegende:
Header: Ausschnitt aus der Installation von Andi Schmied „Noguchi Town“
1: Eszter Szabo „Boycotting Meekness“ (animation loops and aquarells, 2017)
2: Andi Schmied „Noguchi Town“
3: Ákos Ezer
4: Ferenc Gróf, State of Shades
5: Anna Fabricius