...von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden

Kunsthalle Wien

“...von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden” ist die erste Ausstellung des neuen Direktorinnen-Trios WHW (What, How & for Whom/ Ivet ?urlin, Nataša Ili?, Sabina Sabolovi?) der Kunsthalle Wien. Sie ist groß und sie will viel, und man kann sie ruhig auch als richtungsgebend für die nächsten Jahre verstehen. Ihr Titel bezieht sich auf den libanesischen Schriftsteller Bilal Khbeiz, der die Begriffe Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden in einem Text als Aufzählung oder Kondensat der Träume und Gedanken der Menschen im globalen Süden über ein gutes Leben nach westlicher Art erwähnt. Und so ist die Ausstellung - grob gesprochen – eine Versammlung von kapitalismus- und gesellschaftskritischen, umweltaktivistischen und politischen Standpunkten, von denen manche offener und künstlerisch freier sind, und andere eher dokumentarisch ausfallen. Und wie es bei Gruppenausstellungen eben so ist, gibt es ein paar ins Auge stechende Arbeiten, wie für mich zum Beispiel die Installation “In the Stomach of the Predators” von Alice Creischer. In ihren Arbeiten bezieht sie sich auf faktische Tatsachen, die sie in neue, freie Erzählungen einwebt. Die Figuren von Wolf, Hyäne, Bär und Schakal, die auf Stelzen in der Ausstellung zu sehen sind und sinnbildlich für Spielarten der Monopolisierung und Privatisierung von Gemeinschaftsgütern stehen, gehen in der dazugehörigen Videoarbeit auf Reisen und verstricken sich jeweils in absurde Situationen, wobei das hässlich-groteske aus dem Ernst der aufgedeckten und als Basis dienenden Fakten und Tatsachen besteht.

Auch Tuan Andrew Nguyens Videoarbeit “My Ailing Beliefs Can Cure Your Wretched Desires” ist erwähnenswert, das den gräulichen Umgang der Menschen mit Tieren in einer non-linearen Erzählung thematisiert, die – zart ein bisschen Hoffnung bewirkend - eine Verschiebung hin zu anderen Überzeugungen vorschlägt.

Dies aber wirklich nur, um zwei herauszupicken, sind doch über 37 KünstlerInnen und Gruppierungen an der Ausstellung beteiligt. Zum Besuch erhält man ein richtiges, kleines Büchlein mit Erklärungen, Zusammenhängen, zu den Arbeiten gehörenden Texten und Interviews, und man braucht es auch, möchte man zum Kern der meisten Kunstwerke vordringen.

Eine Ausstellung ist immer eine Mpmentaufnahme und verhaftet in ihrer Zeit. An “...von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden” könnte man eventuell kritisieren, dass Auswahl und Zusammenstellung durch die schiere Menge an Themen etwas beliebig oder verwässert wirkt. Aber als Auftakt funktioniert sie allemal - und in Wahrheit steht sowieso alles mit einander in Verbindung.

 

 

 

 

 

Julia Maurer

 

 

 

Informationen zum Veranstaltung:

Kunsthalle Wien im Museumsquartier und am Karlsplatz

Museumsplatz 1, 1070 Wien und Treitlstraße 2, 1040 Wien

 

 

 


Webseite:

www.kunsthallewien.at

 

 

 

 

Bildlegenden:

1: Ausstellungsansicht: ... von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden, Kunsthalle Wien 2020, Foto: Jorit Aust: Alice Creischer, In the Stomach of the Predators, 2012–2014, Courtesy die Künstlerin & KOW, Berlin

2: Ausstellungsansicht: ... von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden, Kunsthalle Wien 2020, Foto: Jorit Aust: Daniel Spoerri, Fadenscheinige Orakel, 2014, Courtesy der Künstler & Verein zur Förderung des Werkes von Daniel Spoerri, Wien

3: Tuan Andrew Nguyen, My Ailing Beliefs Can Cure Your Wretched Desires, 2017, Filmstill, Courtesy der Künstler & James Cohan, New York

Header, 4: Ausstellungsansicht: ... von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden, Kunsthalle Wien 2020, Foto: Jorit Aust: Tim Etchells, Being Free, 2020, Courtesy der Künstler; Vitrine, London/Basel; Jenkins Johnson Gallery, San Francisco/New York & Ebensperger-Rhomberg, Berlin/Salzburg