Hysterical Mining – Stinking Dawn

In der Kunsthalle Wien finden diesen Sommer zwei Ausstellungen statt, die zwar sehr unterschiedlich sind, aber doch ganz interessant, zusammen zu betrachten. Denn während Gelatin und Liam Gillick mit „Stinking Dawn“ eher für ausufernde Verteilung (oder vielleicht sogar Verschmierung) stehen, geht es bei der Gruppenausstellung „Hysterical Mining“ eher um das Zutagefördern von etwas. Insgesamt steht die von Anne Faucheret und Vanessa Joan Müller kuratierte Ausstellung unter dem Schlagwort „Technofeminismus“. Die KünstlerInnen eignen sich die sonst ja vor allem noch männlich dominierten neuen Medien und Technologien an, und erschaffen und analysieren so spekulativ-spielerische Räume für Körper, Geschlechter und Ökologien in unserer heutigen, hoch-technisierten und immer virtuelleren Welt – auch mit dem gedanklichen Rückschluss, den klassisch-freudschen Begriff der Hysterie neu zu beschreiben. Um sich ein bisschen an die Video-Arbeit von  Fabien Giraud und Raphaël Siboni anzulehnen, könnte man die Ausstellung als eine Expedition nicht auf dem Weg der Entdeckung neuer Erdteilen sehen, sondern als Erforschung möglicher Lebensrealitäten.

Bei „Stinking Dawn“ handelt es sich um ein Filmprojekt unter der Regie von Liam Gillick, und mit Gelatin. Zehn Tage wurde unter Miteinbeziehung des Publikums in der Kunsthalle gedreht; zu sehen sind nun die Kulissen, und immer neue Ausschnitte aus dem Film, der in der Zwischenzeit fertig gestellt wird, und zum Ausstellungsende schließlich uraufgeführt werden soll, allerdings außerhalb der Kunsthalle. Thema ist – nach bester Gelatin-Manier und unter Bezugnahme auf den Philosophen und Mathematiker Gilles Châtelet – der Ausschluss jeder Form von Machtgebaren  und aktiv widerständige Praxis.

 

 

Julia Maurer

 

 

Informationen zum Veranstaltungsort:

Kunsthalle Wien

Museumsplatz 1

1070 Wien

 

 

Webseite:

www.kunsthallewien.at

 

 

Bildlegende:

Header, 1: Ausstellungsansicht: Hysterical Mining, Kunsthalle Wien 2019, Foto: Jorit Aust: Barbara Kapusta, The Giant, 2018, Courtesy die Künstlerin und Gianni Manhattan, Wien

2: Louise Drulhe, The Two Webs, 2017, Courtesy Voyez-Vous, Vinciane Lebrun-Verguethen

3: Fabien Giraud & Raphaël Siboni, 1922 – The Uncomputable (The Unmanned, Season 1, Episode 4), 2016, Videostill, © Fabien Giraud & Raphaël Siboni

4: Ausstellungsansicht: Gelatin & Liam Gillick, Stinking Dawn, Kunsthalle Wien 2019, Foto: Jorit Aust

5: Ausstellungsansicht: Gelatin & Liam Gillick, Stinking Dawn, Kunsthalle Wien 2019, Dokumentation: Maria Ziegelböck, Foto: Jorit Aust