Ferdinand Hodler – Wahlverwandschaften von Klimt bis Schiele

Seit kurzem zeigt das Leopold Museum eine Ferdinand Hodler-Retrospektive. Sie betrifft jedoch viel mehr als den Maler allein, da auch die Beziehungen zu seinen (hier großteils Wiener) Zeitgenossen herausgearbeitet werden, und durch Dokumente, Photographien und ein nachgebautes Jugendstil-Zimmer auch versucht wird, den Geist der Zeit einzufangen und zugänglich zu machen.
Man kann nachverfolgen, wie er sich sozusagen beharrlich - auch wenn dieser Prozess sicher eruptiverer Art war - von aus heutiger Sicht eher brav anmutenden Landschafts- und Porträtmalereien hin zu den wilderen Strömungen des Symbol- und Expressionismus gemalt hat.

Was Hodler für mich alleinstellt und sofort erkennbar macht, ist die Farbigkeit seiner Bilder. Und ich hoffe, dass das nicht anmaßend ist, und den Schweizer Maler in seinem Grab rotieren lässt, aber ich finde, dass diese Farbigkeit oft eine heiterere Komponente in die Bilder bringt. Nicht witzig, nicht lustig, und sicher nicht in allen Bildern - auf gar keinen Fall! Aber durch sie gelangt immer wieder eine menschlichere Nuance in die sonst manchmal zugleich schwer und ätherisch wirkenden Jugendstil-Motive. Ebenso wie durch nicht ganz akribisch ausgeführte Elemente, die die Bilder offener und frischer machen. Aber dies ist durch eine Distanz von über 100 Jahren gesehen, und wahrscheinlich nicht das, was Ferdinand Hodler intendiert hat, und vermutlich darf man die Bilder gar nicht mit nicht-historischem Blick betrachten.

Aber wie es mit aller guten Kunst ist: Sie sprechen trotzdem noch zu uns. Vielleicht nur ein bisschen anders als in ihrer Entstehungszeit.

 


Julia Maurer





Informationen zum Veranstaltungsort:

Leopold Museum
MuseumsQuartier Wien
Museumsplatz 1
1070 Wien





Bildlegende:
Header: Ausschnitt aus FERDINAND HODLER, Der Mäher | um 1910 © Sammlung Christoph Blocher, Foto: SIK-ISEA, Zürich
1: Ferdinand Hodler, Die Dents du Midi von Caux aus, 1917 © Privatsammlung Tessin, Foto: Privatsammlung Schweiz
2: Ferdinand Hodler, Bildnis Gertrud Müller, 1911 © Kunstmuseum Solothurn, Dübi-Müller-Stiftung
3: Ausstellungsansicht "Ferdinand Hodler" © Leopold Museum/Foto: Lisa Rastl