Bacchante

Kathleen Ryan

In meiner Kindheit war der Theseustempel im Volksgarten aus irgendwelchen Gründen eine Art Tabuzone. Dieses Gefühl hat sich bis heute weiter geschleppt, und so war es nun das erste Mal, dass ich ihm einen Besuch abgestattet habe.

Das Gebäude ist schön, wenn auch ein bisschen klassizistisch seltsam, und die Idee, dem namensgebenden, martialisch maskulinem Theseus sehr runde, weibliche Formen entgegen zu stellen, die über ihren Namen eine Referenz an die weiblichen Begleiterinnen des Bacchus herstellen, gefällt mir auch ganz gut. Die Trauben, obwohl aus Zement, erwecken den Eindruck großer Leichtigkeit (wieder einmal würde ich sie gerne befühlen) und insgesamt stellt der Minimalismus der Bacchantin einen reizvollen Kontrast zum verspielten Stuck der Decke und dem Gebäude generell dar.

Doch muss ich zugeben, dass die Ausstellung für mich vielleicht ein bisschen zu minimalistisch geraten ist, und die Figur in dem hohen Raum etwas verloren wirkt. Auch der Sinn der vier orangen Rohre erschließt sich mir leider nicht wirklich, obwohl der Raum (und auch das Auge des Betrachters) in seinen Grau- und Weißtönen etwas Farbe durchaus nötig hat.
Schön also, aber leider ein bisschen wenig.

Julia Maurer



Informationen zum Veranstaltungsort:

Theseustempel im Volksgarten
1010 Wien



Bildlegende:

Header: Kathleen Ryan, Bacchante (Photo Julia Maurer)
1: Kathleen Ryan: Bacchante (Detail), 2017, Beton, rostfreier Stahl, glasierte Terrakotta, Marmor; Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin und der Galerie Josh Lilley, London © Foto: KHM-Museumsverband
2: Kathleen Ryan: Bacchante, 2017, Beton, rostfreier Stahl, glasierte Terrakotta, Marmor; Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin und der Galerie Josh Lilley, London © Foto: KHM-Museumsverband
3: Kathleen Ryan: Bacchante (Detail), 2017, Beton, rostfreier Stahl, glasierte Terrakotta, Marmor; Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin und der Galerie Josh Lilley, London © Foto: KHM-Museumsverband