Walter Stach

lebt und arbeitet hauptsächlich in Wien. Seine berufliche Ausbildung durchlebte er an der dortigen Akademie der bildenden Künste, in Kunst und Kunsterziehung. Da seine Arbeiten den Rahmen des „Bild-an-der-Wand“-Formats deutlich überschreiten, macht er es vor allem auf seiner Website - www.wstach.at – zugänglich – und in ein paar Beispielen bei KUOKA.

 

 



Walter, wie bist du bei der Kunst gelandet? Und warum Kunst? Warum nichts „Bodenständigeres“?

Ich bin nicht von kunst-affiner Herkunft, hatte aber das Glück, mit 15 dank eines Lehrers ein Initiationsmoment zu erleben: Ich „sah“ plötzlich Kunst. Das war, ich erinnere noch genau, vor Emil Noldes „Joseph und seine Brüder“, im damals gerade neu eröffneten „20er-Haus“. Und ich bin sehr-sehr froh, dass darauf folgend Kunst als unvergleichliche Bereicherung in mein Leben gewachsen ist.
Die Frage nach einem anderen Beruf habe ich mir vor und in und nach meiner Ausbildungszeit an der Akademie einfach nicht gestellt.



Was war für dich ein Highlight in deiner künstlerischen Laufbahn?

Die „IO“-Ausstellung im Theseustempel (s. http://www.wstach.at/de/projekte/bildkunst/bildkunst_idx_frameset.html).
Die Ausstellung ist sehr zufriedenstellend verlaufen – für alle, die sie mitgemacht haben: Dazu gehörten die Uraufführung eines eigens für die Bilderserie komponierten Musikstücks von Christoph Cech; eine Live-Demonstration des Entstehungsprozesses der Bilder (die ja digital generiert wurden); eine g’scheite und witzige Stegreiftheateraufführung, das „Tribunal gegen Jupiter“, mit Caspar Einem, Elfriede Hammerl, Udo Jesionek, Helene Klaar und anderen Kapazundern; dazu viele interessante, aufschlussreiche Gespräche mit den sehr vielen Besuchern. Zufriedenstellend also vor allem deshalb, weil es insgesamt keine statische Präsentation, sondern eigentlich eine sehr dynamische, vielfältige Kunst-Vermittlungsaktion war. Sowas entspricht am ehesten meinem Arbeiten. So wie übrigens die Kooperation mit anderen Künstlerinnen und Künstlern, die ich immer wieder suche und finde.



Was würdest du als Tiefpunkt bezeichnen?


Da gibt’s natur- und altersgemäß nicht nur einen! Aber tief unten fühle ich mich jedenfalls dann, wenn ein Projekt, von dessen Qualität ich überzeugt bin, deshalb nicht zustande kommt, weil ich nicht die nötige Konsequenz für seine Realisierung aufgebracht habe.



Gibt es etwas, das du vielleicht anders hättest machen sollen; einen Aspekt, von dem du sagst, du könntest ihm eventuell mehr Beachtung schenken?

Manchmal bedaure ich es ein bisschen, nicht längerfristig konsequenter gearbeitet zu haben bzw. zu arbeiten, sondern nach dem Ende eines Projekts gleich zum nächsten zu springen. Dahinter steckt einerseits mein Interesse für neue Ideen und die Neugier nach neuen Erfahrungen, andererseits die Angst vor dem Routiniert-Werden. Dadurch ist eben einerseits zwar ein sehr weitläufiges, offenes Oeuvre entstanden – aber andererseits kein spezifisch fokussiertes .



Vorbilder, Einflüsse, Helden?

Lebenshistorisch gesehen gibt’s da zwei Kunst-Pole, die sich für mich in zwei Persönlichkeiten manifestiert haben: Alfred Hrdlicka, dessen Kunst untrennbar mit seiner politischen Haltung verbunden ist, und Christo, dessen Projekte darauf verweisen, dass Kunst einfach „nur schön“ sein „darf“. Als drittes Leuchtmittel setze ich noch David Hockney ein, der für mich für unablässige Veränderung und Entwicklung steht.




Vielen Dank!

Das Interview mit Walter Stach führte Julia Maurer im Juli 2017.




 

Bildlegende:

1) Walter Stach; Marcus Neustetter „courier-dialogue / JNB093VIE"; Tinte, Pinsel, Stifte auf Papier, Acryl, 70 x 100 cm
2) Walter Stach; Marcus Neustetter  „courier-dialogue / JNB573VIE"; Acryl, Tinte, Pinsel, Stifte auf Papier, 70 x 100 cm